Nanopartikel: Am Anfang war die Schokolade

Die moderne Geschichte der Nanopartikel in Werkstofftechnologie und Medizin wird, zumindest im deutschen Sprachraum, meist mit negativen Gefühlen assoziiert. Kein Wunder: Wer sich mit Nanos beschäftigt, findet zwar rasch die EMPA. Das in der Schweiz ansässige „Institut zur  Material Forschung und Technologie“[1]  ist eine der wichtigsten Forschungseinrichtungen zum Thema Nanopartikel. Nicht nur die Anwendung derselben für Oberflächen, sondern auch die Möglichkeiten für medizinische Anwendung werden dort seit Jahren unter die Lupe genommen.

Doch auf der anderen Seite findet man im Internet sehr viele Berichte, die sich mit den Gefahren von Nanopartikeln beschäftigen oder sie gar mit Verschwörungstheorien in Verbindung bringen, so z.B. einen Beitrag “Nanopartikel im Regenwasser”[2], ausgestrahlt vom NDR etwa Juni 2016 (auf Youtube hochgeladen). Dabei wird auf eine Belastung der Umwelt aufmerksam gemacht, die durch Beimischungen im Treibstoff militärischer Flugzeuge und von Raketentriebwerken entstehen soll, in der Hauptsache Aluminium und Barium, die sogenannten “Chemtrails”.

Nanopartikel in Lebensmitteln

Seit den 80er Jahren weiß man, dass Nanopartikel aus Metall- und Metalloxid Bakterien und Pilze absterben lassen. Um Nahrungsmittel haltbarer (und schöner zum Verkauf) zu gestalten, fanden so die Titandioxyd Nanos Einzug in die Schokolade[3].

Als Reaktion darauf erließ die FAO (Food and Agriculture Organisation of the United Nations) 2005 die Regulation CAC/RCP 61 – 2005 zur “Eindämmung der Ausbildung mikrobiologischer Resistenz gegen Antibiotika”. Auch die EU war nicht untätig und erließ REACH und CLP Regulations[4] zur Anwendung von Nanopartikeln im Lebensmittel- und Medikamenten Vertrieb, von 2007 und 2010. Alle diese Normen sagen aber kaum etwas aus über Begrenzungen zur Anwendung von Nanos, was dazu führt, dass wir sie überall finden können[5].

Wie wirken Nanopartikel?

Die EMPA konnte nachweisen: Nanopartikel unter 240nm gehen durch alle Membranen und Filtersysteme des Körpers. Die Hauptorgane der Aufnahme von Nanos sind Lunge, Magen-Darm und Haut / Schleimhäute[6].

“Je größer das Verteilungsgebiet/Zielgebiet der Nanopartikel ist, desto kleiner sollte das Nano sein”, denn NUR Nanopartikel können aufgrund ihrer Größe den ganzen Körper erreichen. Partikelgrößen von über 2500nm (2.5 Mikro) werden nur noch durch das Blut in den Kreislauf verteilt.“[7]

Nanopartikel unter 250nm verteilen sich zunächst gleichmäßig im Körper, kommen aber spezifisch angereichert vor, sobald diese Nanos eine spezielle Eigenschaft aufweisen.

Sind Nanopartikel gefährlich – und wenn ja, welche?

Die “Monographie 111” der IARC (Int. Agency of Research on Cancer) warnt vor Kohlenstoff Nanoröhren, Fluor-Edemit und Siliconkarbid Nanos. Die IARC hat eine Klassifikation von Nanopartikeln veröffentlicht, in der von 951 Nanos nur einer “vermutlich nicht” krebserregend ist[8].

Allerdings werden in der IARC Klassifikation nur künstliche, auf der Basis von Metalloxiden und Kohlenstoff erzeugte NPs erfasst. Es besteht aber ein enormer Unterschied zwischen Nanomaterialien der technologisch-pharmakologischen Welt und der biologisch medizinischen Anwendung.

In einer Veröffentlichung des österreichischen Instituts für Technologie ITA heißt es im Nano-Trust Dossier 34 (Dez 2012) “es gäbe keine oder sehr wenig epidemiologische Studien zur Verbreitung von Nanomaterialien in der Umwelt und ihren Einfluss auf die Gesundheit” – es gibt also noch viel zu forschen!

Kann man Nanopartikel sichtbar machen?

Nun sind Nanopartikel nicht einfach alle gleich, ganz im Gegenteil! Und das kann man sichtbar machen: Technologischer Fortschritt kam auch zum Einsatz bei der immer besseren Darstellung der allerkleinsten Stoffe. Elektronenmikroskopie in Form von Scannern, Oberflächenabtaster und energiedispersive Röntgenspektroskopie lässt sich auch in der Medizin gut anwenden. 

Gibt es Nanopartikel in homöopathischen Produkten?

Prof. Rajendran, der uns im März besuchen wird[9], hat als erster homöopathische Produkte unter dem Elektronenmikroskop beobachtet, fotografiert und per Spektroskopie bestimmt. Er konnte zeigen, dass korrekt hergestellte homöopathische Produkte immer eine große Anzahl an biologischen Nanopartikeln enthalten!

Au met C 200

Seine Elektronenmikroskop-Bilder zeigen, dass nicht nur die Größen der homöopathischen Nanos je nach Potenz variieren, sondern auch, dass sie besondere Formen annehmen. Gerade mineralische Stoffe neigen dazu, in allerkleinster Form ihre “platonische Körperform” wieder aufzuzeigen. So sind Gold-Nanos eher in Pyramidenform oder wie Bäumchen aufgebaut (siehe Bild: Au met C 200), während Eisen-Nanos (siehe Bild: Ferrum met C 200) viereckig sind oder sich wie spitze Nadeln präsentieren.

Ferrum met C 200

Was sind „korrekt hergestellte homöopathische Produkte“?

Dr. Hahnemann begann mit der Herstellung seiner Medikamente, indem er die Dosis herabsetzte und eine Wirkung bei immer geringeren Mengen nachweisen konnte (Die Belladonna Verdünnungen bei Epidemie). Doch der wahre Durchbruch gelang erst, als er beobachtete, dass mit dem Pferd transportierte Mittel (im Galopp zum Hausbesuch…) nochmal schneller und effektiver wurden. So, so sagt man, entdeckte er die “Potenzierung” der Mittel. Heute bezeichnen wir das als “Top – down” Herstellungsverfahren.

Er verwendete nur biologische Ausgangsprodukte und Mineralstoffe oder Metalle, die er mit Milchzucker verrieb, bis er sie löslich gemacht hatte und verdünnen konnte.

Übrigens bestätigen auch heute die University of Edinburgh[10] und die EMPA: Gold und Eisen Nanos sind die effektivsten Mittel in der Nanotherapie.

Die “speziellen Eigenschaften” der Nanos hat die Homöopathie als eine mittlerweile nachgewiesenermaßen materielle und nano-pharmako-dynamische Therapiemethode bewiesen, und das für eine Medizin, die über 200 Jahre alt ist.

Welche Rolle spielt die Signaturenlehre?

Schon Paracelsus sprach von den sich immer wiederholenden Mustern und Eigenschaften der Heilmittel und nannte dies “Signatur”. Dinge “gleicher Signatur” gehören auf natürliche Weise zusammen, und finden sich auch immer wieder. So kann man das immer wieder beobachtete Anreichern von Nanopartikeln in bestimmten Zellen oder Geweben durchaus erklären. Die Therapie mit homöopathisch hergestellten Mitteln verläuft nicht nach spontanen oder universellen Verteilungsmustern, sondern nach diesen Regeln der Signaturenwelt.

Aus demselben Grund sind industrielle oder chemisch entstandene Nanopartikel nicht automatisch gefährlich: Wenn sie keine biologischen Andockpunkte besitzen, also nicht in eine besondere “Signatur” passen, werden sie auch keinen biologischen Schaden anrichten können. Doch die Forschung in dieser Richtung steckt noch in den Kinderschuhen, zumal ja nicht einmal die Signaturenlehre weiterverfolgt wurde.

Ausblick

Im deutschen Sprachraum ist es normal, dass bei widersprüchlichen oder ungenügenden Forschungsergebnissen zuerst mal von etwas Negativem ausgegangen wird. Weltweit aber wird an nano-dynamischen Mitteln und biologischen Effekten durch kleinste Wirkstoffe geforscht, dies ist der pharmakologisch medizinische Bereich mit dem größten Wachstum. Wir können davon ausgehen, dass die Vorsilbe “nano” in wenigen Jahren in jeder beliebigen Kombination angewendet werden wird, und dabei geht es keineswegs nur um negative Entwicklungen.

Es ist sicherlich so, dass Therapiemethoden ohne pharmazeutisch hergestellte Mittel schlecht für die Pharma-Industrie sind, aber dennoch gibt es immer wieder Menschen, die solche Methoden bevorzugen und sich die Anwendung nicht verbieten lassen möchten. In Spanien, Portugal, Italien und Österreich wird zurzeit viel Druck ausgeübt, damit der Umsatz aus industriell gefertigten Mitteln nicht sinkt. Trotzdem zeichnet sich ein klarer Trend ab: Wie schon zuvor in der Allergologie oder Immuntherapie wird auch die Entdeckung der nanometrischen Wirkstoffe aus den biologischen Therapieverfahren in die Medizin integriert werden.


[1] www.empa.ch

[2] https://www.youtube.com/watch?v=8RPlQ8jsXSs

[3] Carcinogenicity of carbon black, titanium dioxide, and talc:   May 2006 The Lancet Oncology 7(4):295-6, DOI: 10.1016/S1470-2045(06)70651-9

[4] https://ec.europa.eu/growth/sectors/chemicals/classification-labelling_en

[5] https://www.nanopartikel.info/nanoinfo/grundlagen

[6] https://www.empa.ch/web/s604/video-portal?p_auth=bjB5EKvX&p_p_id=enwnews_WAR_enwnewsportlet&p_p_lifecycle=1&p_p_state=normal&p_p_mode=view&p_p_col_id=column-2&p_p_col_count=1&_enwnews_WAR_enwnewsportlet_categoryId=56975&_enwnews_WAR_enwnewsportlet_javax.portlet.action=processSearch

[7] REACH Regulation der EU

[8] Klassifikation der Nanopartikel IARC:

[9] Krebsrevolution II: “Homöopathie erklärt”. 15-17 März 2019, Mainz (www.krebsrevolution.de/kongress.html”)

[10] https://www.ed.ac.uk/research/animal-research/news/gold-specks-raise-hopes-for-better-cancer-treatmen