Der kurze Weg zurück (in die Steinzeit)

Dr. Miguel Corty Friedrich beschreibt in diesem Beitrag die für die Komplementärmedizin zunehmend kritischer werdende Situation in Spanien.

Nach 22 Jahren Tätigkeit in meiner lokalen Ärztekammer gab ich vor wenigen Jahren meinen Vorstandssitz frei: Ich hatte 4 Präsidenten, 7 Ministern und unzähligen Landesministern für Gesundheit vergeblich versucht zu erklären, wie man unser Gesundheitssystem kostengünstiger und effektiver gestalten könnte, wie man Ärzte motivieren und Patienten zufriedener machen könnte.  Es war sinnlos: eingangs standen scheinbar alle Politikertüren offen, nach wenigen Wochen waren sie definitiv zu.

In Spanien wird seit Jahren unter Kollegen gemunkelt, wir seien die „Generalprobe für Europa“. Wenn eine besonders unbequeme Entscheidung im Gesundheitswesen ausprobiert werden müsse, dann mache man das zuerst in Spanien: Je nachdem, wie groß der Protest dann wird, kommt diese Änderung, oder das Projekt wird abgebrochen. So war es mit der „Budgetierung“, mit dem Begrenzen teurer chirurgischer Eingriffe, oder dem Streichen tausender „sinnloser“ Heilmittel.

Jetzt haben wir das Fegefeuer der „Skeptiker“ mitten in Europa. Wer noch immer glauben sollte, die Herrschaften seien „skeptisch“, täuscht sich: Sie wollen gar nicht hinhören. Sie wollen einen anderen Herrn als dem Wähler dienen, und eine neue (oder auch sehr alte) Art der Gedankenkontrolle einführen: zurück zu den Zeiten des überwunden geglaubten Rationalismus des 18. Jahrhunderts. Oder wahlweise auch des Mittelalters und der Inquisition gegen Galileo Galilei: „Wer anders denkt als ich hat Unrecht.“

Nicht, dass in der Zwischenzeit Nobelpreisträger und aufgeklärte Denker die Grenzen zwischen Mechanizismus und Relativität aufgelöst hätten, nicht, dass wir seit Jahren eine Woge von „gesund ohne Chemie“ Aufklärung erleben durften: nein, es geht eben dagegen, gegen die Freiheit des Menschen, selbst verantwortlich sein zu dürfen.

Ein Gedankenkonstrukt aus Rationalismus, Vitalismus, Existenzialismus und weiteren „ismen“ mehr hat jetzt Spanien erfasst: unser „Wissenschafts- und Erziehungsminister“, ein ehemaliger Universitätsprofessor, hat beschlossen, die Bevölkerung brauche unnützes Wissen über Pflanzen, Kräuter und nicht schulmedizinische Therapiemethoden nicht mehr zu kennen und lässt seit dem 14. Januar 2019 diese Seiten im Internet herausfiltern!

Spanien, unser fortschrittlicher und richtungsweisender moderner Staat macht es jetzt wie China: Man muss nicht alles wissen, und da darf man auch schon mal das Internet für die Benutzer filtern. Wenn man jetzt ein Heilkraut wie das „Hirtentäschelkraut“ nachschlagen möchte, passiert dies (erste Seite von Google®. In Yahoo® funktioniert es noch wie früher):

Ganz genau: nur noch „akademische Artikel“ zum Thema tauchen auf, keine Reklame, keine Firma, die dies vertreibt, kein „Privater“ der die Verwendung anpreist, kein „Nachschlagewerk“ zum Nutzen dieser Pflanze. Die Artikel kommen aus so wohl kontrastierten wissenschaftlichen Quellen wie „Wikipedia“…. und zum Teil von Veröffentlichungen von vor über 20 Jahren. Keine homöopathische Verdünnung, keine volkstümlichen Namen zum Vergleich. Wer kein Biologe oder Botaniker ist, kann damit nichts mehr anfangen. Keine Reklame, keine Apotheke, kein Hersteller.

Damit will ich nicht behaupten, morgen schon wird der Zugang zur Erkenntnis blockiert sein, ich zeige nur, wie schnell eine manipulierte Suchmaschine unsere Gesellschaft verändern kann! Wer also geglaubt hat, die Wahrheit sei im „Netz“ zu finden, irrt!

Wer seine alten Bücher schon zum Sperrmüll gestellt hat, möge eiligst diese wieder herauszerren! Denn wenn die Damen und Herren der Inquisition diese Idee so weiterführen, wird unser Internet in wenigen Jahren nur noch als das Sprachrohr weniger Mächtigen und der Industrie finden.

Noch bis zum 14. Januar 2019 war ich skeptisch, ob wir Bücher drucken sollten. Ich dachte, ein e-Book oder elektronische Nachschlagewerke reichten aus. Ich dachte auch, Schlagwörter wie „Essay for the effective use of homeopathic remedies“ würden auch Skeptiker überzeugen können. Wie Galileo zu sagen pflegte: „Aber schauen Sie doch durch mein Teleskop, dann können Sie die Monde des Jupiter sehen! Sie sind wirklich da!“ Aber „Skeptiker“ schauen nicht, sie wollen nicht belehrt werden, und was es bisher so gab, kann man auch verschwinden lassen. Denn: „Skeptiker“ haben immer Recht, und das kann zur Not befohlen werden.

Das Buch die „Nanodynamik“ ist in Deutschland erschienen

Nun haben wir endlich die deutsche Ausgabe der „Nanodynamik“ von Prof. Rajendran dem deutschen Publikum vorlegen können[1]. Auf 320 Seiten können alle die 280 Fotos homöopathischer Potenzen unter dem Elektronenmikroskop sehen, die Elementzusammensetzung nachschlagen, und ihre eigenen Erkenntnisse zur Anwendung dieser Mittel erlangen. Eine C 30 ist nicht identisch mit einer C 200, und eine LM 6 ist nicht zu vergleichen mit einer C 6.

Auf unserem Kongress in Mainz vom 15. bis 17. März 2019 können wir live erleben, was über Inhalt, Aktion und Anwendung zur Homöopathie heute bekannt ist, und es führt kein Weg an der persönlichen Teilnahme vorbei: wer weiß, wie lange noch, auch in Deutschland, das Internet ungefiltert funktioniert, bevor alles was wahr ist, war.

Persönlich vertraue ich auf einen politischen Wechsel, auf eine heftige Reaktion der Bevölkerung, und auf eine Zukunft voller Erkenntnis und Freiheit. Leider geht es aber nicht immer in diese Richtung, und im Moment geht es sogar eher in eine ganz andere Richtung. Also: Wehren wir uns! Wir werden in den kommenden Monaten weitere Werke zu Homöopathie, Banerji und Paracelsus neu auflegen und für Freunde, interessierte Praktiker und Ärzte bereithalten, komme das Internet das komme.

Denn der Weg in eine elektronisch geschaltete Steinzeit ist nur einen Steinwurf weit entfernt.

Dr. Miguel Corty Friedrich


[1] Rajendran, Dr. E.S.: “Nanodynamik”, Winterworks, 2019, ISBN 978-3-96014-551-6

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