Homöopathie V2.0

Dr. Miguel Corty Friedrich

Einleitung

Als ich vor 3 Jahren im Internet auf die Arbeit von Prof. E. S. Rajendran stieß, wusste ich sofort, dieses Wissen möchte ich nach Europa holen!

Dieser indische Homöopath war auf die Idee gekommen, dem Placebo-Dogma der Homöopathie auf den Grund zu gehen: Er wollte wissen, ob denn nun etwas drin war in den verschütteten Potenzen, oder nicht!

Zu diesem Zweck begab er sich 5 Jahre lang in ein Elektronenmikroskop-Labor, um die gängigsten homöopathischen Mittel nach Hahnemann genauer zu untersuchen, und er wurde fündig!

Sein Werk zeigte schließlich 278 Bilder von “C” und “LM” Potenzen der 10 wichtigsten Mittel der Homöopathie, und in allen sind Nanopartikel, kleinste Einheiten molekularer Verbände, zu sehen, mit denen man eine Menge machen kann.

Bild 1: Prof ES Rajendran Lycopodium LM1 und LM 24

Nanopartikel in homöopathischen Lösungen

Die Entdeckung hat bisher ungeahnte Auswirkungen. Nicht nur, dass die in der Homöopathie eingesetzten Mittel durchaus etwas enthalten, das sehr rasch und sehr zielorientiert eine Wirkung  entfalten kann, sondern es zeigen sich auch eine Fülle pharmako-dynamischer Eigenschaften, die für die Homöopathie weitreichende Auswirkungen haben.

So ist in allen Potenzen immer die ursprüngliche Substanz zu sehen, aus der das Mittel hergestellt wurde. Handelte es sich um “Aurum”, fand Prof. Rajendran Gold, war es “Ferrum”, fand er Eisen. Doch damit nicht genug: Je nachdem, um was für eine Potenz es sich handelte, fand er weitere Elemente. Es wurden natürlich Verunreinigungen gefunden und weitestgehend ausgeschlossen. Es fanden sich Elemente, die scheinbar immer in einem Mittel “mitgeschleift” wurden. Bestimmte Mittel zeigten immer “Mitläufer”, die sich mit dem Stoff assoziierten. Doch traten je nach Verschüttelung, nach Potenz, weitere Elemente auf den Plan, für die wir noch keine befriedigende Erklärung haben, die aber vorhanden sind.

Dynamische und charakteristische Lösungen

So stellte er fest, dass beispielsweise die C200 und die 1M Potenz gern ein besonderes Spektrum an Elementen anbot, die das Heilmittel dynamischer und breiter wirksam werden ließ, während zum Beispiel in der C30 das ursprüngliche Mittel konzentrierter auftrat, geradezu “reiner”.

Des Weiteren zeigte sich, dass es eine Entwicklung von größeren Nanopartikeln zu kleineren Nanopartikeln gab, ebenso wie von weniger vielen Partikeln zu mehr Partikeln, ein Bild, das sich von der Reihe C6 bis C200 von 1M bis CM wiederholte.

Bild 2: ES Rajendran Elementverteilung in Aurum met C30, Partikelgröße 3nm-366nm
Bild 3: ES Rajendran Elementverteilung in Aurum met 1M, Partikelgröße 5nm-50nm

In metallischen und mineralischen Mittel fanden sich sehr unterschiedliche Elemente, während in biologischen Mitteln Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff als Hauptbestandteile auftraten.

Außerdem fand er heraus, dass sich die LM Potenzen gleichmäßiger verhielten als die “C” Potenzen, regelmäßig kleiner waren als vergleichsweise die “C” Potenz. Auch zeigte sich eine eher gleichmäßige Verteilung und Bandbreite der Nanopartikel zwischen LM1 bis LM30, ein Verhalten, dass bei “C” nicht auftrat.

Eine Welt der Pharmakodynamik

Damit öffnet sich für die Homöopathie eine Welt der Pharmakodynamik, ganz genau so, wie sie in der klinischen Pharmakologie existiert.

Wenn wir als Homöopathen aufgeschlossen genug sind, können wir aus der Beschreibung der neuen Wissenschaftlichen Homöopathie erkennen, wie sich Nanos im Gewebe verteilen, ihren Stoffwechsel und Abbau intuieren. Wir wissen, dass unterschiedliche Metalle sich gut durch das Blut verteilen, dann aber länger brauchen um in metall-organischen Komplexenverbindungen, sogenannten Chelaten, ausgeschleust werden müssen. Ihre Größe liegt immer im “Quantum – Dot” Bereich (unter 20 nm), und sie durchdringen und verteilen sich damit in allen subzellulären Strukturen. Sie sind “tiefer und langhaltiger” wirksam als  pflanzliche oder tierische Mittel.

Lycopodium oder Psorinum z.B. bestehen aus Kohlenstoff und Sauerstoff, oft Wasserstoff, manchmal Stickstoff, und werden rasch im Gewebe durch größere subzelluläre Einheiten abgefangen, verstoffwechselt oder absorbiert. Solche Mittel sollten mehrmals gegeben werden, Metalle eher seltener.

Die Indikation zu einer Potenz mit weniger nachgewiesen Elementen wird “charakteristischer, essentieller” ausfallen, als eine Potenz, in der bis zu 15 verschiedene Stoffe auftreten.

Ein anderer interessanter Aspekt ist auch der, dass die Nanopartikel innerhalb einer Verdünnungsreihe unterschiedliche Morphologien entwicken.

So kann Gold je nach Potenz kleine Oktaeder ausbilden wie die makroskopischen Goldnuggets, oder aber Lebensbäume bilden, die eher versteinerten Farnen ähneln bzw. den Dendromeren aus dem “bottom up Verfahren” der industriellen Nanowissenschaft.

Bild 4: ES Rajendran Aurum met LM24 und C200

Doch das Wesentliche bei all dem ist doch wohl, dass es uns Erklärungen und Ideen zur Verwendung der Mittel liefert.  Die unterschiedliche Verteilung im Körper, deutet auch auf unterschiedliche Indikationen, während unterschiedliche Größen und Zusammensetzungen nach unterschiedlichen Dosierungen (Wiederholungsfrequenzen) verlangen. Anders ausgedrückt: Die Homöopathie als Wissenschaft muss sich komplett neu definieren.

Biologische Wirkung kleinster Teilchen

Kaum in Europa, aber mit Nachdruck im Osten, wird an den biologischen Effekten der Nanos geforscht. Über 100 Veröffentlichungen aus Indien, China, Japan, USA, sogar aus der Türkei zeigen vielfältige Auswirkungen von Nanopartikeln auf subzelluläre Strukturen. Da wurden Veränderungen auf DNA-Ebene wie Methylierung nachgewiesen, es fanden sich Neuregulationen nach “auf und nieder” in der Bildung von Zellbotenstoffen, Veränderungen an Immunkomplexen und vieles mehr.

Inwiefern all diese Modulation und Modifikation auf die alleinige Wirkung eines Nanos zurück zu führen ist, weiß noch niemand genau, aber man hat künstlich induzierte Tumorarten bei Mäusen und Ratten mit Homöopathie verschwinden lassen, man hat Zellkulturen und Labortiere mit Homöopathie behandelt und die Veränderungen aufgezeichnet. Jede Behauptung, Homöopathie sei Plazebomedizin ist daher reiner Unsinn. 

Wissenschaftliche Homöopathie

Mir ist vollkommen bewusst, dass diese Entdeckung unsere Homöopathie erneut spalten wird. Vielleicht ist es für einige unter uns ein Fortschritt, wenn Diskussionen um die mehr oder weniger energiereichen Potenzen als ein Heilmittel “sine materie”, also eher energetischer Art, abgelöst werden von nachweisbaren Stoffen. Qualitätssicherung homöopathischer Produkte per Elektronenmikroskop wird daher in Zukunft erforderlich werden. Energiebilder auf Wasserträger mögen gewisse Frequenzmuster übertragen können, werden aber eher nicht die selbe Wirkung entfalten wie physikalische Nanopartikel. Außerdem: bei der Herstellung muss gerade bei den “mitgeschleiften Elementen” sehr sorgsam vorgegangen werden, um die Mittel beim Verbraucher als gleichwertig abgeben zu können!

Auch die “Mystik” der Homöopathie wird Schaden erleiden. Wir müssen uns fortan mit anderen physikalischen Produktproblemen auseinandersetzen. Wir brauchen neue Indikationslisten, neue Repertorisierungen, neue Beschreibungen der Mittel auf Elektronenmikroskop-Ebene. Die Homöopathie muss sich vom unverstandenen Aschenputtelmädchen in die neue Prinzessin der biologischen Produktforschung verwandeln. Hahnemann würde erneut sagen: “Wenn ich das meinen Schülern erzähle, werden die meisten mich verlassen!” Aber das sagte er ja schon 1842… 

Ausblick

Ich sage immer, jeder Homöopath sollte das Buch “Nanodynamik” auf seinem Schreibtisch liegen haben, ebenso, wie viele von uns eine Ausgabe des “Organon” im Schrank haben. Letzteres, um nachzuschlagen, was sich Hahnemann bei gewissen Paragraphen wohl gedacht hat, ersteres, um jedem Zweifler die Bilder unter die Nase halten zu können: “Wieso soll in Natrum mur C30 nichts drin sein? Schlagen sie doch auf Seite 86 nach, da sehen Sie es!”

Bild 5: ES Rajendran Natrum mur C30

Umdenken erfordert Anpassung und Flexibilität. Jungen Menschen ist es gegeben, in eine neue Zeit hineinzuwachsen. Uns Älteren sollte es reichen zu wissen, dass unsere Kunst eine neue Grundlage erhalten hat, die uns nach 220 Jahren Praxis Recht gibt! Ein guter Homöopath braucht keine neue Erkenntnis zur Methode: Er hat bereits Methode und seine Mittel wirken und helfen, wie sie es seit Jahrhunderten unter Beweis gestellt haben.

Viele neue Mittel werden den Markt erobern: Hustenmittel, miasmatische Mittel, Haut-, Augen-, Krebsmittel, Stoffe mit feststehender Komposition und Indikation, nur auf homöopathischer Basis. Wer mit der Homöopathie neu anfängt, kann diese neuen Ergebnisse in Bezug setzen zur neuen “Signaturenlehre nach Paracelsus” und wird dabei entdecken, dass sich die alten hermetischen Gesetze in ganz neuem Gewand mit den modernsten Methoden unserer Zeit bestätigt haben. Die Homöopathie wird dadurch zum perfekten Begleiter einer nach Typen geordneten Krankheitslehre. Genau wie mit Handys und der Neuen Technologie: Behandeln wird einfacher, verständlicher und biologischer.

Bibliographie Empfehlungen

  1. Rajendran, E.S.; “Nanodynamik” Edition Winterwork, Borsdorf, 2019
  2. Corty Friedrich, Miguel.; “Krebsrevolution”, Europa Verlag München/Berlin, 2016
  3. Dane, Michaela; “Heilgeheimnisse des Paracelsus”, 2. Auflage, Edition Winterwork, Borsdorf, 2019

Einige “Papers” zur Thematik:

  1. Efficacy of two commonly used potentized homeopathic drugs, Calcarea carbonica and Lycopodium clavatum, used for treating polycystic ovarian syndrome (PCOS) patients: II. Modulating effects on certain associated hormonal levels(Debarsi Das et al; K’Pubs 2016; Feb, 6(1): 7-7)
  2. Protective potentials of a potentized homeopathic drug, Lycopodium-30, in ameliorating azo dye induced hepatocarcinogenesis in mice. (S Pathak et al, Mol Cell Biochem 2006; Apr;285(1-2):121-31)
  3. Evidence in support of gene regulatory hypothesis: Gene expression profiling manifests Homeopathy effect as more than placebo. (S K Saha et al; International Journal of High Dilution research 2013; Vol 12 No 45)
  4. A homeopathic nosode, Hepatitis C 30 demonstrates anticancer effect against liver cancer cells in vitro by modulating telomerase and topoisomerase II activities as also by promoting apoptosis via intrinsic mitochondrial pathway (J Mondal et al ,Journal of integrative medicine 2016; Vo 14 (3), 209-218)
  5. Potentized homoeopathic drugs act through regulation of gene-expression: a hypothesis to explain their mechanism and pathways of action in vitro. ( A R Khuda Buksh, Complementary therapies in medicine1997; Vol5 (1);43-46)
  6. Phenotypic evidence of ultra-highly diluted homeopathic remedies acting at gene expression level: a novel probe on experimental phage infectivity in bacteria. ( Santu Saha et al, Journal of Chinese integrative medicine 2012; 10(4):462-70)
  7. Condurango 30C induces epigenetic modification of lung cancer-specific tumour suppressor genes via demethylation. (A R Khuda Buksh, Sikdar S. Complementary medicine research 2015; 22:172-179)
  8. Efficacy of a potentized homeopathic drug (Arsenicum-Album-30) in reducing cytotoxic effects produced by arsenic trioxide in mice: IV. Pathological changes, protein profiles, and content of DNA and RNA. ( Kundu S N, Complimentary therapies in medicine 2000; 8(3):157-65)
  9. Potentized homeopathic drug Arsenicum Album 30C positively modulates protein biomarkers and gene expressions in Saccharomyces cerevisae exposed to arsenate. ( Durba Das, Journal of Chinese integrative medicine 2016; 9(7):752-60)
  10. Homeopathic Thuja 30C ameliorates benzo(a)pyrene-induced DNA damage, stress and viability of perfused lung cells of mice in vitro.( Mukherjee A. Journal of integrative medicine 2013; 11(6):397-404)
  11. Ultra diluted plant extract of Hydrastis canad and Marsdenia condurango induce epigenetic modifications and alter gene expression profiles in HeLa cells in vitro. (Santu Kumar Saha, Sourav Roy, Ansiur Rahman Khuda-Bukhsh; J of Integrative Medicine; www.elsevier.com/locate/issn/20954964

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