Organon 7: Eine Neue Homöopathie

(von Dr. Miguel Corty)

Zusammenfassung:

Wenn Homöopathie eine Therapie durch Nanopartikel ist, steht uns die grösste Revolution der Medizin seit der Virchow’schen Zellpathologie ins Haus. Wir sollten aufhören, “echte, klassische, wahre, bioregulative” und sonst wie benannte Homöopathie als einzig authentisch zu betrachten, und begreifen, dass wir uns um die Pharmakodynamik der homöopathischen Stoffe kümmern müssen. Dadurch wird Effektivität, Indikation, Sinn und Einnahme der homöopathischen Mittel sowie ihre unterschiedlichen Möglichkeiten erklärt. Wir müssen begreifen, dass in den Mitteln “etwas drin ist”, das schneller, präziser und sanfter heilt als alles, was wir bisher hatten.

Einleitung

Am 16. und 17. März 2019 fand in Mainz der 2. Kongress zu unserer Arbeit statt. Mit dem Erscheinen meines Buches wurde von der Buchhandelskonferenz der Titel “Krebsrevolution” dafür vergeben, und das wurde nun mal zum Namen, auch wenn ich als Autor einen solchen Namen nie gewählt hätte.

Daher war es für manchen erstaunlich, dass der 2. Kongress die wissenschaftlichen Ansätze zu Erklärungen in und zur Homöopathie zum Inhalt hatte, und keineswegs nur von Krebs handelte.

Unser Hauptredner war Prof. Dr. E S Rajendran von der Vinayaka Missions University (Salem – Indien). Als Erster hat er versucht, in den homöopathischen Mitteln Inhaltsstoffe nachzuweisen, und dabei Erfolg gehabt. Seine elektronenmikroskopischen Bilder zu den wichtigsten Mitteln und Potenzen sind bereits mehrmals um die Welt gereist, und werden an verschiedenen Universitäten wiederholt. Sein Buch “Nanodynamics” liegt mittlerweile auf englisch, deutsch und spanisch vor.

Bild 1: Prof. E S Rajendran, Nanopartikel in verschiedenen Potenzen von Aurum metallicum

Nanodynamics 

Mit dem Ende des “Glaubenskonfliktes zur energetischen Natur homöopathischer Mittel” verändert sich alles! Begriffe wie “Lebenskraft”, “dynamische Heilkräfte”, “Miasmen”… etc, sind nichts als Krücken, um eine Erklärung anzubieten für den immer wieder erstaunlichen Effekt der “Heilung”, der nach der Gabe homöopathischer Mittel eintreten kann. Prof. Rajendran weist nach: Homöopathische Mittel enthalten eine unterschiedlich große Menge an unterschiedlich kleinen Nanopartikeln und kleinsten Nanos, genannt “Quantum Dots”. Die Unterschiede zeigen sich je nach Potenzierung zu jedem Mittel. Er untersuchte und verglich die Struktur der Nanos bei “C” und “LM” Potenzen. Seine Ergebnisse zeigen eine mögliche Erklärung zu vielen bekannten, aber bisher nicht verstandenen Effekten der Homöopathie.

Methodik:

Prof. Rajendran nutzte ein hochauflösendes Transmissions Elektronenmikroskop für die Darstellung von Metallen und mineralischen Mitteln, bei denen der Elektronenstrahl durch die Probe hindurch fließen konnte. Bei hoher Vergrösserung traten “Welle-Teilchen”, also Quanteneffekte auf, weshalb dies die Limitierung bei der Bilderzeugung darstellte, ca. bei der Grössenordnungen um 1,5 nm.

Bild 2: Prof ES Rajendran, elementare Zusammensetzung verschiedener Aurum Potenzen

Für die Mittel auf biologischer Basis (Pflanzenmittel und Nosoden) bedampfte er die Proben mit Gold oder Silicium und verwendete ein Oberflächen Scanner FESEM Elektronenmikroskop. Hier ist die Auflösung etwas weniger hoch als im HRTEM, zerstört aber die Probe beim Scannen nicht. Um sicher zu gehen, was er jeweils fotografierte, nutzte er die charakteristische Zerstrahlung der Elemente mittels Massenspektroskopie EDS. Dadurch konnte er feststellen, welche Elemente in der Probe unter dem Elektronenmikroskop vorlagen. Alle Proben wurden gegen Plazeboproben mit reinem Alkohol verglichen und mindestens 3 x wiederholt. Es liegen 278 Fotos im Buch vor, sowie einzelne Veröffentlichungen (“papers”) zu Einzelstoffen wie Hypericum.

Bild 3: Prof. E S Rajendran, verschiedene Hyperikum Potenzen

Ergebnisse:

Die Bilder sprechen für sich! Ohne eine Diskussion vorwegnehmen zu wollen, möchte ich auf folgende allgemeine Aspekte hinweisen:

  • Alle Proben konnten die Ursprungssubstanz nachweisen: in “Aurum” war immer Gold enthalten, in “Natrium…” war immer Natrium enthalten.
  • Alle biologischen Heilmittel enthielten Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff.
  • Die verschiedenen Potenzen ließen unterschiedlich viele “neue” Elemente auftauchen, die eine jede Potenz charakterisierte. So konnte man zum Beispiel feststellen, dass die C 30 Potenz meist den höchsten Anteil des ursprünglichen Mittels enthielt, während C 200 oder M Potenzen oft eine breitere Verteilung von Elementen enthielten, nach homöopathischen Kriterium also “dynamischer” waren.
  • Es konnte bei den “C” Potenzen, außer für C30, keine zutreffende Vorhersage zur Größe und Inhalt der Partikel gemacht werden. Die Nanopartikel wurden keineswegs im linearen Sinn immer kleiner oder immer zahlreicher, noch enthielten sie automatisch mehr Elemente bei aufsteigender Potenz. Jede Potenz ist ein eigenes Mittel für sich. Die unterschiedliche Morphologie zeigt den Charakter der Mittel.
  • Bei den LM Serien konnte man eine bessere Verteilung und ein mehr oder weniger gleichmässiges Abnehmen der Größe bei Zunehmen der Verschüttelungswiederholung nachweisen. Somit sind LM Potenzen eher vorhersehbar und besitzen mehr System bei zunehmender Potenzierung.
  • Die Kontrolle von gemeinsam verschüttelten Mitteln, also mehreren Mitteln im selben Potenzierungsgang, zeigten gleiche oder ähnliche Nanopartikel wie die Mittel jeweils einzeln potenziert. Die Nanopartikel waren ebenso eindeutig voneinander getrennt, und konnten voneinander unabhängig bestimmt werden, wie bei Einzelstoffen.
  • Auch homöopathische Komplexmittel, solche, die gern nach Indikation statt nach Individualisieren der Symptome als Fertigarzneien angeboten werden, enthielten Nanopartikel. Diese waren sowohl individualisiert als auch im Verbund erkennbar. Es machte keinen Unterschied zum Erreichen der Nanostruktur ob sie in “C” oder in dezimal Schritten hergestellt worden waren.
  • Industriell hergestellte Mittel zeigten ebenso Nanostrukturen wie manuell oder einzeln verschüttete Mittel.

Diskussion erster Ergebnisse:

Homöopathie ist somit sich neu entwickelnde Nanowissenschaft voller Überraschungen. Der erste wesentliche Punkt ist, dass homöopathisch korrekt hergestellte Produkte Nanopartikel materieller Art enthalten, von vorhersehbarer Zusammensetzung in vorhersehbarer Grösse.

Auf dem Kongress sprach auch Prof. Dr. Kreuter aus Frankfurt, der uns einige allgemeine Eigenschaften zum Verhalten von Nanopartikeln erläuterte, ohne auf Eigenschaften zu homöopathischen Stoffen einzugehen. Von ihm durften wir lernen, dass Chemotherapeutica, eingeschleust in Nanopartikel oder angebunden an Nanopartikel, deutlich weniger toxisch sind als  wenn sie im Original eingesetzt würden. Verschiedene Tierexperimente zeigen auch, wie sich Nanopartikel im lebendigen Körper verteilen, wie sie verstoffwechselt werden, und was für Zeiträume zwischen Aufnahme, Verteilung und Ausscheidung vergehen. Typische pharmako-dynamische Merkmale von Nanopartikeln folgen ihrer Grösse oder Solubilität. Lipophile und besonders kleine Partikel dringen rascher und tiefer durch die Gewebe als andere. Dabei können die kleinsten unter ihnen, die “Quantum Dots”, ungehindert in Zellkerne eindringen. All diese Eigenschaften wie auch die Verteilung im Körper erlauben interessante Rückschlüsse zur Indikation von Mitteln, die aus Nanopartikeln bestehen. Es erlaubt uns nachzuvollziehen, warum ein Mittel je nach Potenz andere Indikationen, andere Zielorgane ansteuert, wie lange es im Körper verbleibt und somit, wie oft ein Mittel wiederholt werden muss.

Bild 4: Prof. Kreuter, Verteilung der Nanopartikel im Körper von Mäuse

In Anschluss an den Vortrag von Prof. Kreuter wurde klar, dass die Homöopathie ihre eigene Pharmakodynamik erst noch entwickeln muss. Wir stehen wahrhaftig an der Schwelle zu einem Verständnis, in dem aus Homöopathie Nanotherapie werden kann.

Ebenfalls sehr aufschlussreich waren von Prof. Rajendran mitgebrachte Studien von Prof. Khuda Burksh über Modifikationen biologischer Systeme mittels homöopathischer Mittel. Er konnte in Zellkulturen und in Tierexperimenten mit lebenden Mäusen über “auf- und abwärts” gerichtete Modulation in der Expression von Proteinen berichten, von veränderter Expression von Zellbotenstoffen bis hin zu nachweisbaren Veränderungen der RNA und DNA Stränge in behandelten Mäusen versus Placebo-therapierten Mäusen. Über 100 weltweit veröffentlichte Studien zeigen eindrucksvoll, wie viele positive Ergebnisse zu Themen wie Tumortherapie und Hautleiden  mit homöopathischen Stoffen bereits nachgewiesen werden konnten! Nur traurig, dass all diese Experimente und Ergebnisse in fernen Ländern wie China, Japan, Indien, USA, sogar in der Türkei stattfinden, aber nichts davon in der westlichen Industriewelt bekannt wird, sondern, ganz im Gegenteil, sinn- und inhaltlose Diskussionen über Plazebomärchen und “Pseudowissenschaft” geführt werden.

Zusammenfassung:

Wenn Homöopathie eine Therapie durch Nanopartikel ist, steht uns die grösste Revolution der Medizin seit der Virchow’schen Zellpathologie ins Haus. Wir sollten aufhören, “echte, klassische, wahre, bioregulative” und sonst wie benannte Homöopathie als einzig authentisch zu betrachten, und begreifen, dass wir uns um die Pharmakodynamik der homöopathischen Stoffe kümmern müssen. Dadurch wird Effektivität, Indikation, Sinn und Einnahme der homöopathischen Mittel sowie ihre unterschiedlichen Möglichkeiten erklärt. Wir müssen begreifen, dass in den Mitteln “etwas drin ist”, das schneller, präziser und sanfter heilt als alles, was wir bisher hatten.

Literaturhinweise:

Einige wissenschaftliche Papers zur Thematik:

  1. Efficacy of two commonly used potentized homeopathic drugs, Calcarea carbonica and Lycopodium clavatum, used for treating polycystic ovarian syndrome (PCOS) patients: II. Modulating effects on certain associated hormonal levels(Debarsi Das et al; KPubs 2016; Feb, 6(1): 7-7)
  2. Protective potentials of a potentized homeopathic drug, Lycopodium-30, in ameliorating azo dye induced hepatocarcinogenesis in mice. (S Pathak et al, Mol Cell Biochem 2006; Apr;285(1-2):121-31)
  3. Evidence in support of gene regulatory hypothesis: Gene expression profiling manifests Homeopathy effect as more than placebo. (S K Saha et al; International Journal of High Dilution research 2013; Vol 12 No 45)
  4. A homeopathic nosode, Hepatitis C 30 demonstrates anticancer effect against liver cancer cells in vitro by modulating telomerase and topoisomerase II activities as also by promoting apoptosis via intrinsic mitochondrial pathway (J Mondal et al ,Journal of integrative medicine 2016; Vo 14 (3), 209-218)
  5. Potentized homoeopathic drugs act through regulation of gene-expression: a hypothesis to explain their mechanism and pathways of action in vitro. ( A R Khuda Buksh, Complementary therapies in medicine1997; Vol5 (1);43-46)
  6. Phenotypic evidence of ultra-highly diluted homeopathic remedies acting at gene expression level: a novel probe on experimental phage infectivity in bacteria. ( Santu Saha et al, Journal of Chinese integrative medicine 2012; 10(4):462-70)
  7. Condurango 30C induces epigenetic modification of lung cancer-specific tumour suppressor genes via demethylation. (A R Khuda Buksh, Sikdar S. Complementary medicine research 2015; 22:172-179)
  8. Efficacy of a potentized homeopathic drug (Arsenicum-Album-30) in reducing cytotoxic effects produced by arsenic trioxide in mice: IV. Pathological changes, protein profiles, and content of DNA and RNA. ( Kundu S N, Complimentary therapies in medicine 2000; 8(3):157-65)
  9. Potentized homeopathic drug Arsenicum Album 30C positively modulates protein biomarkers and gene expressions in Saccharomyces cerevisae exposed to arsenate. ( Durba Das, Journal of Chinese integrative medicine 2016; 9(7):752-60)
  10. Homeopathic Thuja 30C ameliorates benzo(a)pyrene-induced DNA damage, stress and viability of perfused lung cells of mice in vitro.( Mukherjee A. Journal of integrative medicine 2013; 11(6):397-404)
  11. Ultra diluted plant extract of Hydrastis canad and Marsdenia condurango induce epigenetic modifications and alter gene expression profiles in HeLa cells in vitro. (Santu Kumar Saha, Sourav Roy, Ansiur Rahman Khuda-Bukhsh; J of Integrative Medicine; www.elsevier.com/locate/issn/20954964

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